Dr. Wernher Brucks ist Leiter Verkehrssicherheit der Dienstabteilung Verkehr der Stadt Zürich. In enger Zusammenarbeit haben wir 2016 und 2017 insgesamt sechs 360°-Filme zur Gefahrenerkennung im Strassenverkehr für Velofahrer produziert. Diese Filme wurden auch im Rahmen einer kleinen Studie in Zürcher Schulklassen eingesetzt, um die Wirksamkeit im Vergleich zu herkömmlichen Methoden der Verkehrsschulung zu untersuchen.
Wie kam bei euch die Idee auf, ein VR-Projekt zu realisieren?
Die Idee kam während der Lancierung des Samsung S7 in der Schweiz. Als ich die VR Show im Hauptbahnhof Zürich und die anschliessende Berichterstattung in den Medien sah, hatte ich die Idee, dass Filme mit Rundumsicht sich für die Prävention im Strassenverkehr eignen könnten. Die Gespräche mit Bandara bestätigten das. Deshalb wagten wir damals zusammen den ersten Schritt und drehten einen ersten Pilotfilm, der bei allen sofort gut ankam.
Was war die grösste Herausforderung bei der Umsetzung und/oder Anwendung?
Bei der Umsetzung war es mangelnde Kenntnis in der Öffentlichkeit. Damals war VR noch recht unbekannt und wurde noch eher skeptisch beurteilt. Bei der Anwendung ist es bis heute leider immer noch die eher tiefe Benutzerfreundlichkeit des VR-Equipments. Es ist noch immer nicht einfach genug, einen VR Film zu schauen.
Was hast du aus diesem Projekt gelernt?
Man kann uns soll ein innovatives Projekt nicht vollständig planen, man muss es manchmal auch schrittweise entwickeln, denn es ist ein Lernprozess und die VR-Technologie macht rasante Fortschritte. Daher lohnt es sich, zwischendurch auch einmal abzuwarten, was passiert.
Was habt ihr mit dem Virtual-Reality-Film erreicht?
Man kann sicher sagen, dass wir in der Prävention die ersten waren, die VR richtig sinnvoll eingesetzt haben. Daher hatten wir grosse Aufmerksamkeit. An Messen haben bisher mehrere tausend Leute unsere Filme geschaut. Sie werden ausserdem auch in VR-Kinos gezeigt, wie zum Beispiel diesen Sommer auf dem Uetliberg, wo auch mehrere tausend Personen erreicht werden. Wir planen auch eine Präsenz in Museen. Auf YouTube dagegen ist die Resonanz eher bescheiden. Ich würde als Zwischenbilanz ziehen, die Reichweite von VR ist noch vergleichsweise gering, aber die Wirkung auf die Rezipienten ist gross.
Wem würdest du empfehlen, auch auf VR zu setzen?
VR kann in vielen Gebieten Sinn machen. Ich würde allerdings empfehlen, den Einsatz von VR gut zu durchdenken. Es wird meiner Meinung nach vor allem zukünftig nicht mehr reichen, einfach eine Rundumsicht anzubieten, denn daran haben wir uns bald gewöhnt. Es muss unbedingt auch rundherum etwas passieren und es muss einen Sinn machen für die Botschaft, die man vermitteln will. Und das ist gar nicht so einfach.