Mit der Meldung, dass Meta rund 1500 Mitarbeitende bei den Reality Labs entlässt und das «Meta For Work» Programm 2030 einstellt, beschwören vor allem hiesige Medien das Ende des «Metaverse» und schreiben von verlorenen Milliardeninvestitionen bei Meta. Diese Geschichte greift jedoch zu kurz.
Metas Reality Labs hat seit 2021 über 70 Milliarden verschlungen für die Entwicklung der Hard- und Software, welche für ein immersives Metaverse genutzt werden sollte. Mit der Meldung von letzter Woche, rund 10% der Mitarbeitenden der Reality Labs zu entlassen und die Plattform «Meta For Work» einzustellen, beschwören vor allem hiesige Medien oft nicht ohne Schadenfreude das Ende des Metaverse.
Diese Analyse greift jedoch zu kurz. Zwar kann argumentiert werden, dass die Vision einer digitalen Welt von Meta namens «Meta Horizon» oder die virtuelle Büro-Umgebung «Horizon Workrooms» gescheitert ist und dass diese Meldungen kurzfristig einen Rückschlag für die Industrie bedeuten. Zudem kann man argumentieren, dass der Begriff «Metaverse» verbrannt wurde – und es ein Begriff war, der ohnehin selten einheitlich verwendet wurde.
Aber drei Gründe sprechen dafür, dass immersive Technologien nach wie vor Relevanz haben und in Zukunft wohl sogar gewinnen – einfach unter anderen Begriffen.
Grund 1: Augmented und Virtual Reality weiter ein Wachstumsmarkt
Der Markt für die Erstellung alleine von Virtual Reality Inhalten soll von heute knapp 14 Milliarden US-Dollar bis 2035 auf über 44 Milliarden US-Dollar anwachsen (mit einer jährlichen Wachstumsrate von über 12 %), befeuert durch den Bedarf an realistischen Simulationen, digitalen Zwillingen und KI-gestützten Trainingsumgebungen. Um diese Inhalte zu nutzen, gibt es auch eine Fülle an Ankündigungen neuer Hardware, beispielsweise an der CES in Las Vegas diesen Monat. Auch Meta arbeitet weiterhin an entsprechender Hardware – KI-Brillen sind im Grunde genommen ebenfalls AR-Brillen, welche die physische und digitale Welt zusammenbringen.
Generell gesprochen sehen wir bei Virtual Reality den Trend weg von B2C-Anwendungen für die Masse hin zu B2B-Anwendungen mit konkretem Mehrwert für Organisationen und Unternehmen. Nicht das «Metaverse» per se ist gescheitert, sondern Metas Versuch, Virtual Reality im B2C-Markt massentauglich zu machen. Dass die Technologie gerade in der Ausbildung einen wissenschaftlich nachweisbaren Erfolg hat, zeigt unser Whitepaper zum Thema. Bei Augmented Reality sehen wir am Horizont die neue Generation von Headsets, die das Potential einer breiten Adaption mitbringen.
Grund 2: Nächste Evolution mit KI
Wie Forbes argumentiert: «The Metaverse Isn’t Dead. It’s Turning Into A Customer Data Powerhouse». Das Metaverse sei keineswegs tot, es durchläuft lediglich eine entscheidende Evolution. Während Metas virtuelle soziale Plattformen gescheitert sind, öffnet dies den Raum für unabhängige Akteure, die den Use Case grundlegend neu definieren: weg von leeren virtuellen Umgebungen hin zu wertschöpfenden B2B- und Forschungsplattformen.
Durch die Verschmelzung mit Künstlicher Intelligenz erlebt das Metaverse gerade seine wichtigste Weiterentwicklung. Aus statischen Räumen werden mitdenkende Umgebungen. Das Ziel ist ein intuitives Erlebnis: Die Technologie lernt, unsere Bedürfnisse in Echtzeit zu erkennen – basierend darauf, was wir ansehen oder wie wir interagieren.
Das ermöglicht smarte Assistenten, die uns das Leben leichter machen. Stellen Sie sich vor, Sie besuchen einen virtuellen Showroom: Statt mühsam zu suchen, schlägt Ihnen das System proaktiv und visuell überzeugend in 3D genau das vor, was zu Ihrem Stil passt.
Gleichzeitig revolutioniert KI die Erstellung dieser Welten: Was früher lange dauerte, schaffen generative KIs bald in Echtzeit. Das macht das ‚neue‘ Metaverse nicht nur intelligenter, sondern auch zugänglicher und vielfältiger.
Grund 3: Wachsende «Metaverse»-Plattformen
Während Meta’s «Horizon» eingestellt wird, zeigen andere Plattformen anhaltendes Wachstum: So verzeichnete beispielsweise Roblox Anfang 2026 rund 380 Millionen monatlich aktive Nutzer. Diese Zahlen belegen, dass die Nachfrage nach immersiven digitalen Umgebungen ungebrochen ist, sich jedoch von einer reinen Social-Network-Vision hin zu vielfältigeren Anwendungen entwickelt, die gerade ein junges Zielpublikum zu begeistern wissen – ohne dass dafür der Begriff «Metaverse» benutzt wird.
Kurz zusammengefasst
Der Begriff «Metaverse» wird wohl gerade zu Grabe getragen, aber immersive Technologien, Blockchain und Use Cases im Bereich AR und VR – die schon vor dem Aufkommen des Metaverse-Begriffs einen Mehrwert schufen – gewinnen weiterhin an Bedeutung in verschiedenen Bereichen und Branchen. Dass dies so ist, zeigen auch weitere Meldungen der Woche:
- Das 4,3 Millionen Pfund schwere britische Regierungsprogramm «Resilience» setzt auf Virtual Reality, um über 140.000 Menschen für die Arzneimittelherstellung auszubilden und so eine akute Fachkräftelücke zu schliessen. Durch die digitale Nachbildung teurer und regulierter Laborumgebungen spart VR erhebliche Kosten und Ressourcen und ermöglicht es Auszubildenden, in einem sicheren Raum Fehler zu machen und so ihr Selbstvertrauen aufzubauen.
- Der Markt für «Location Based VR» weist weiterhin ein Wachstum von über 20% pro Jahr auf, wie eine aktuelle Analyse von Market Research Future zeigt.
- Auf der CES 2026 wurden verschiedene neue VR-Headsets vorgestellt, die vor allem durch ein stark reduziertes Gewicht auffielen.
- Virtual Reality wird vermehrt dazu genutzt, Menschen mit eingeschränkter Mobilität dennoch die Möglichkeit zu geben, die Welt zu bereisen und/oder sich mit anderen Menschen zu verbinden – wie das Beispiel aus der Altersresidenz Extendicare Peterborough zeigt.
Im Zuge dieses Artikels ändern wir nun auch den Namen unserer Blog-Serie zu «Bandara Immersive Briefing». 😉